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Hochzeitsfotografie

10 Tipps eines Hochzeitsfotografen

1. Don’t Panic

Hochzeiten haben ja so das Potential, einen unruhig zu machen, weil da vieles einfach nicht in der eigenen Hand liegt oder kontrollierbar ist. Als Hochzeitsfotograf bin ich also gefordert, mich immer wieder auf neue Situationen einzustellen und zu reagieren.

Aber hey – keine Panik. Jeder noch so gute Hochzeitsfotograf kocht auch nur mit Wasser und ich gebe einfach mein Bestes. Und selbst, wenn das Wetter mal einen Strich durch die Rechnung macht, können schicke Fotos entstehen. Also: Immer cool bleiben.

2. Planen Planen Planen

Vor jeder Hochzeit setze ich mich mit dem Hochzeitspaar gemütlich auf einen Kaffee zusammen. Dabei gehe ich mit beiden den gesamten Hochzeitstag durch und schreibe mir die Uhrzeiten einzelner Punkte auf (Ankunft Bräutigam, Ankunft Braut, Offizieller Beginn der Trauung usw) – mögliche Verzögerung mit eingeschlossen. Als Hochzeitsfotograf muss ich wissen, wann ungefähr – was – wo passiert – um auch dann vor Ort zu sein, wenn’s drauf ankommt.

“Wie viele Gäste habt ihr eingeladen?” oder “Welche Bilder sind Euch besonders wichtig, welche weniger?” sind einer kleiner Auszug an Fragen, die ich den beiden immer wieder Stelle. In meinem Kopf (und bald auch auf Papier) ist da eine Liste, die ich nach und nach mit den Paaren durchgehe. Das bringt mir – und übrigens auch dem Hochzeitspaar – einiges an Sicherheit.

3. Leichtes Gepäck

Auf Hochzeiten habe ich grundsätzlich 2 Taschen dabei: Einmal meinen großen Fotorucksack und meine Umhängetasche, in welcher meine beiden Kameras und ein Blitz liegen. Mit der Umhängetasche bin ich meistens den gesamten Tag unterwegs und muss somit nur einmal um die Ecke greifen, wenn ich was anderes brauche. Das macht mich mobil, denn ich hasse es, den Rucksack abzulegen, den langen Reißverschluss aufzumachen und mich dann durch die Ausrüstung zu wühlen. Nein, der bleibt schön im Auto und wenn ich mal ein paar extra Sachen brauche, dann wird die Umhängetasche neu gefüllt und fertig.

4. 50mm

Besonders im Hochzeits-Kontext komme ich an meinem 50mm 1.8 Objektiv nicht vorbei. Wo und wann besonders? In der Kirche. Denn da kann mal nicht eben den Blitz aufstecken und an die “Decke” blitzen, weil die meistens sehr weit oben ist. Somit bin ich darauf angewiesen, möglichst lichtstark zu fotografieren und bei meinem 50mm geht’s bei einer Blende von 1.8 los.

Das 50er hat meiner Meinung nach genau die richtige Brennweite für Hochzeitsfotos und ich fühle mich damit echt pudelwohl. Das liegt mit Sicherheit daran, dass ich schon eine ganze Weile damit fotografiere und es gut einschätzen kann.

5. Bewegung

Nichts mit “in der Ecke stehen und auf den richtigen Moment warten”. Auf Hochzeiten ist Action angesagt. Gerade weil ich viel mit meiner 50mm Festbrennweite fotografiere und nicht zoomen kann, bin ich darauf angewiesen, mich selbst so zu positionieren, dass dabei ein gutes Foto entstehen kann.

Dabei bin ich natürlich in der Kirche wesentlich vorsichtiger als auf der Feier. Schließlich will ich dem Paar bei der Ringübergabe nicht auf die Füße treten und achte auch darauf, nicht zu sehr herumzuhampeln und zu viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Danach ist dann wieder alles erlaubt ;)

6. Kein Cheese!

Ausser beim offiziellen Outdoorshooting mit dem Pärchen und dem Gruppenfoto gebe ich den gesamten Tag keine Hinweise, wie das Pärchen oder jemand anderes schauen soll. Sachen wie “Ach wie süß, schaut doch mal her!” oder “Jetzt nochmal schön lachen!” während die Beiden sich mit Gästen unterhalten, sind ein absolutes No-Go!

Dasselbe sage ich den Paaren auch schon beim Planungstreffen und manche sind dann erstmals erleichtert, weil sie davor einen kleinen Horror haben. Ich möchte für die beiden kein weiterer Programmpunkt sein, sondern möglichst unbemerkt arbeiten, dass sie sich voll auf ihren Tag konzentrieren können.

7. Eltern, wichtige Verwandte und andere VIPs

Bei aller künstlerischen Freiheit sind Fotos von Eltern, Großeltern und sonstigen wichtigen Personen für das Paar ein absolutes Muss. Viele Paare sprechen das nicht als exklusiven Wunsch aus, weil das für sie selbstverständlich dazugehört. Deshalb schaue ich, dass ich vor der Hochzeit ein paar Fotos der "VIPs" anschaue, um dann auch zu wissen, wer hier wer ist.

Übrigens: Fotos von Verwandten stelle ich gewöhnlicherweise nicht ins Netz – ausser bei klarer Erlaubnis. Sowas kann gut mal nach hinten losgehen, wenn sich die Eltern des Paares dann irgendwo im Internet wiederfinden.

8. Blitzen

Ich blitze gerne – und zwar dann wenn es wirklich Sinn macht. So richtig entfesselt blitzen gibt es beim Outdoorshooting, um dem Paar noch einwenig mehr Kick mitzugeben. Da ich bisher ohne Assistent fotografiere, drücke ich dann (in vorheriger Absprache) dem Chauffeur den Blitz mit Empfänger in die Hand, erkläre ihm kurz die Technik und er braucht dann nur noch den Blitz zu halten. Somit können dann schicke Fotos entstehen, für die ich sonst einen Assistenten gebraucht hätte.

Bei der Feier Abends stecke ich mir den Blitz einfach auf die Kamera, blitze gegen die Decke oder direkt. Wenn ich direkt anblitze, dann stelle ich gerne eine längere Belichtungszeit ein und bewege die Kamera schnell ich eine Richtung.

9. Schwarzweiß

Wie der gute Jim Rakte schon einmal gesagt hat: Schwarzweiß nimmt einem Foto die Komponente der Zeit weg. Auf Hochzeitsfotos wissen zwar die meisten, dass die Fotos von vor 2 Wochen waren, aber eine gewisse Zeitlosigkeit kann dennoch erreicht werden. In vielen Fällen verbinde ich Schwarzweiß mit Fotos, die ein starkes (Farb-)Rauschen aufweisen. Lightroom bietet mir viele Möglichkeiten, das auch gut umzusetzen, denn Schwarzweiss ist weit mehr als nur "Farbe rausdrehen".

10. Weg von Standard

Es gibt ja Fotos, die müssen im Kasten sein und das ist auch gut so. Doch gerade auf Hochzeiten lasse ich meiner Fantasie gerne freien Lauf und fotografiere aus ungewohnten Blickwinkeln, Positionen und versuche immer mal wieder was neues.

Das dreht den Spassfaktor nochmal so richtig auf und da schlägt mein Fotografenherz höher. Ich vergesse dabei alle Regeln und versuche weiter zu denken – kommt mir eine Idee in den Kopf, die sich umsetzen lässt, dann mache ich es auch.

Manchmal werden die Bilder was, manchmal nicht - That’s Life. Aber wenn man es nicht probiert, wird es garantiert nichts. Also: Nur Mut zum Risiko!